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Grundkurs: Wildkaffee

Wildkaffee – diesen Begriff haben sicher alle, die sich mit Kaffee beschäftigen, schon einmal gehört. Aber was genau ist “Wildkaffee” eigentlich? Eine Vorstellung davon, wie die Antwort auf diese Frage lauten könnte, haben wohl die meisten: Wildkaffee – das wird Kaffee sein, der eben völlig wild und unberührt wächst, fernab von menschlichen Einflüssen und deshalb besonders rein und ursprünglich. Das ist auch das Image, mit dem für Wildkaffee geworben wird.

Wie sieht die Realität aus? Ein Dossier und einige weitere Beiträge zum Thema Wildkaffee auf dem Maskal Kaffee Blog öffnen die Augen: Der Begriff “Wildkaffee” ist eine Schöpfung der letzten zehn Jahre. Ausgelöst (unter anderem) durch einen Beitrag im Magazin Geo (Nummer 1/03), begann man damit, sich für den Wildkaffee zu interessieren. Als Wildkaffee bezeichnete man dabei den Kaffee, der in den Regenwäldern Südäthiopiens wächst und von den ortsansässigen Bauern geerntet wird. Ziel der Beschäftigung mit dem Wildkaffee war, den Blickwinkel auf den Schutz des Regenwaldes zu lenken: durch die Vermarktung des wild wachsenden Kaffees sollte die fortschreitende Rodung des Regenwaldes gebremst werden. Den Bauern sollte ein deutlich besserer Preis für ihre Ernte gemacht werden, damit es sich für sie auch lohnte, keine weiteren Flächen zu roden. Ob diese Strategie zum Erfolg führt ist jedoch fraglich (mehr Informationen dazu hier).

Bemerkenswert ist, dass der Wildkaffee vor seiner kommerziellen Entdeckung als extrem minderwertig galt – und das wohl auch war. Erst durch menschliche Eingriffe, z.B. das Entfernen von Unterholz, die Pflege der Kaffee-Pflanzen usw., wurde der sogenannte “Wildkaffee” vollends nutzbar und genießbar gemacht. Hans Langenbahn vom Maskal Kaffee Blog weist daher darauf hin, dass man anstatt des Begriffes “Wildkaffee” lieber den Begriff “Waldkaffee” verwenden sollte, da ersteres genau die oben genannten Assoziationen auslöst: Natürlichkeit und Unberührtheit. Was wir im Laden unter dem Begriff Wildkaffee aber tatsächlich erstehen, ist eben nicht der wild wachsende Kaffee aus dem Regenwald, sondern ein im Wald angepflanzter Kaffee Arabica.

Was also anfangen mit dem Begriff “Wildkaffee”? Nun, zum einen kann der wild wachsende Kaffee der Regenwälder durchaus als Wildkaffee bezeichnet werden, jedoch ist das dann sicher nicht der Wildkaffee, den wir im Laden kaufen. Zum anderen war der Begriff Wildkaffee ja auch schon vor seiner kommerziellen Nutzung gebräuchlich: nämlich als Bezeichnung im genetischen Bereich. Der Kaffee Arabica aus Süd-Äthiopien ist größtenteils als eine Art Ur-Arabica zu bezeichnen, von dem viele Züchtungen abstammen.

Das Thema Wildkaffee an sich ist ein sehr komplexes, wir hoffen aber, das mit dieser kurzen Darstellung einige Fragen beantwortet wurden. Wir empfehlen für mehr Informationen die von uns verlinkten Seiten. Als kleines Fazit lässt sich wohl sagen: wenn Wildkaffee drauf steht, ist eben Waldkaffee drin, bei dem fraglich ist, ob er den Regenwald tatsächlich so sehr schützt, wie beabsichtigt. Ein kleiner, bescheidener Lichtblick für alle Kaffeetrinker: von Menschenhand völlig unberührter Kaffee wäre wahrscheinlich nicht in dem Maße genießbar, wie es der Waldkaffee ist.

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